Übersocken
Aus Northwoodcycling
Die meisten von Euch kennen bestimmt das Problem: kalte Füsse beim Radsporteln. Ein ekelhaftes Gefühl und da dieser Körperteil doch eher schwach durchblutet wird, ein zunehmend ekelhafteres Gefühl, je länger die Tour andauert. Die mitfühlende Fahrradbekleidungsindustrie hat uns deshalb mit einer Erfindung namens Überschuh beglückt, die auch bestens ihren Zweck erfüllt. Doch leider ist dieses Kleidungsstück im Gegensatz zu seinen Kollegen Windjacke, Windweste, usw. relativ sperrig und lässt sich nicht in einer Trikottasche verstauen. Selbst im Standard-Bike-Rucksack (ich spreche hier jetzt nicht vom "Sir-Edmund-Hillary-40-Liter" Modell) nehmen sie einfach zu viel Platz weg. So und was machen wir jetzt in den Übergangszeiten, wo wir zwar im nebligen Herbstmorgen bei 5°C be-überschuh-t losfahren, unseren Füßen aber die nachmittäglichen 18°C nicht vorenthalten wollen?
Ich hätte da einen Vorschlag: Übersocken.
Vorgehensweise:
- Wir besuchen ein beliebiges Kaufhaus unserer Wahl und halten gleich im Eingangsbereich Ausschau nach den Wühltischen mit den Socken-Großpackungen.
- Wir wählen eine Packung mit Socken in unserer Schuhgröße. Die RR Fraktion wählt die Farbe weiß (meist beschriftet mit "Arzt oder Schwestersocke"), die Freunde des Stollenschuhs greifen besser bei den schwarzen, robusteren Varianten zu.
- Wir verstecken verschämt unseren Fang im Einkaufswagen unter einer Ladung Haribo Goldbären (o.ä.) und marschieren damit zur Kasse
- Wir ziehen uns zuhause unsere jeweiligen Radschuhe und darüber! die frisch erworbenen und entsprechend präparierten Socken an (siehe auch bebilderte Anleitung)
Tipps:
- Schwestersocken sind den Arztsocken zu vorzuziehen (Letztere haben meiner Meinung nach zu hohe/lange Bündchen)
- Bloß keine Tennissocken mit buntem Rand o.ä. kaufen - das verbietet die Style-Polizei :-)
- Größenwahl: Die Teile müssen eigentlich nicht größer als normal gewählt werden. Das Material ist in der Regel ziemlich dehnbar und liegt dann schön eng an.
- Für Hardcore Einsätze (wetter- und oder geländetechnisch) kann man auch zu den dickeren Sockenmodellen greifen (keine Ahnung, wie die gemeinhin heißen)
- Wer das Handwerk des Stickens beherrscht, kann auf seine weißen RR-Übersocken gerne Schriftzüge wie "www.northwoodcycling.com" verewigen. Das erhöht die B-Note ungemein. Ganz Schlaue kaufen sich gleich weiße Nike- oder Adidas Socken. Kommt auch gut ...
Pimp my Übersocke:
Die oben vorgestellte Version des Übersocken bietet schon ausreichenden Schutz bei nicht allzu strenger Kälte, Wind oder Nässe. Wir werden diesen Schutz durch eine simple Maßnahme jetzt aber noch maximieren.
Ich habe diese revolutionäre Technologie "WindstoBBR Einlage" getauft. (Hallo im Hause G*re: Ich verletze damit weder Patent- noch Namensrechte!).
Vorgehensweise:
- Erneut besuchen wir ein beliebiges Kaufhaus unserer Wahl (dieses Mal kann sogar einer der einschlägigen Discounter aufgesucht werden)
- Wir halten Ausschau nach Zubehör für die Vorratshaltung, speziell nach Gefrierbeuteln.
- Dieses Mal müssen wir unseren Fang nicht verschämt im Einkaufswagen verstecken, sondern marschieren selbstbewusst zur Kasse.
- Zuhause gibt es nix weiter zu tun, da die WindstoBBR Einlage aus der Packung schon gebrauchsfertig ist.
- Wir müssen nur bei der nächsten Ausfahrt ein paar (<- wörtlich gemeint) Exemplare einstecken.
- Für die Anwendung gibt es grundsätzlich 3 Möglichkeiten:
- im Schuh: einfach mit den Socken in einen Beutel und dann in den Schuh stecken. Sehr empfehlenswert, wenn der Schuh nass (und der Socken noch trocken) sein sollte. Das Tragegefühl ist allerdings gewöhnungsbedürtig
- überm Schuh und unter dem Übersocken: DIE perfekte Lösung! Ein Loch in den Beutel zu schneiden, erübrigt sich: einfach einklicken und ratsch ...
- in Kombination mit einem Überschuh: Über den Überschuh stülpen und darüber dann den Übersocken ziehen. Damit ist jedenfalls bei mir Kältefestigkeit bis in den zweistelligen Minusgrade-Bereich garantiert.
Hier noch in Kombination mit dicken schwarzen Übersocken und einem Überschuh (aka Elefantenfuß)
Anmerkungen:
In langjährigen Studien habe ich mich mit der Suche nach dem besten Gefrie... äh der besten WindstoBBR Einlage beschäftigt.
Produkte der Firma Melitta waren natürlich da zunächst naheliegend. Werbeslogan: außen Melitta - innen Geschmack.
Ich kann aber in der Zwischenzeit bestätigen, dass auch günstigere Ware nach Gebrauch (sprich Ausfahrt) genug Geschmack enthält. Vorm gefährlichen Gefrierbrand schützen sowieso alle Produkte gleich gut.
Um den häuslichen Frieden nicht unnötig zu gefährden, würde ich davon absehen, die WindstoBBR Einlagen nach Gebrauch noch der Verwertung als Gefrierbeutel zuzuführen (in der Regel überlebt die Einlage auch mehrere Ausfahrten)
Wie bei einer professionellen Produktneuvorstellung üblich, zum Schluss nun noch die Zusammenfassung aller Vorteile der Übersocken:
- Schutz gegen Nässe, Kälte, Wind und Schmutz, wenn diese keine extremen Formen annehmen
- günstig (10er Pack <10 EUR)
- leicht zu reinigen. Oft ist Kochwäsche möglich. Besser der Übersocken muss in die Waschmaschine als der Schuh mit Carbonsohle.
- sehr flexibel - die gewünschte Wärmeisolation lässt sich durch Ein/Ausbau der WindstoBBR Einlage sehr schnell anpassen
- sehr transportabel. Ein Paar inkl. WindstoBBR Einlage passt bestens in eine Trikottasche, bzw. kann ganzjährig im Bikerucksack für den Fall der Fälle mitgenommen werden.
- normale Überschuhe können damit in ihrem Temperaturbereich noch zusätzlich ausgebaut werden. (dann aber die Socken eine Nummer größer wählen)
und nicht zu vernachlässigen:
- das dumme Gesicht von Eltern, wenn man an der Ampel steht und das kleine Töchterchen daneben frägt: "Duuu, Mami, warum hat denn der Mann die Socken über seinen Schuhen?"
- die intelligenten Erklärungsversuche der o.g. Eltern :-)
Viel Spaß beim Nachbasteln und Ausprobieren wünscht racing_fool ...
Update (Frisch auf den Tisch):
ein ganz neuer Ansatz zur Wärmespeicherung in ausgekühlten Radschuhen wurde uns neulich von einem älteren Kräuterhexlein? (reine Vermutung) zugetragen. Adi und ich standen vor einer Bahnschranke, wartend auf die Durchfahrt des Eisenrosses. Erstgenannter dabei wild von einem Bein aufs andere hüpfend. Eine ältere Frau, die das eine Weile lang beobachtete und wohl zu der einzig richtigen Schlussfolgerung kam, meinte: "Bub, du musst Thymian in die Schuhe legen - das hält die Füsse warm". Die Wirkungsweise darf natürlich angezweifelt werden, eine positive Wirkung auf die Duftnote der Socken wird sich aber in jedem Fall einstellen.
Wir warten gespannt auf erstes Feedback ...
