Cooks langer Ritt
Aus Northwoodcycling
(Cook, 11.7.2008)
Einmal den ganzen Tag auf dem Mountainbike zu sitzen, so lange wie nur möglich durch den Northwood zu fahren, die vielfältigen Landschaften geniessen, das mußte ich einfach mal tun. Die "Planung" dazu stand schon lange, wobei Planung für mich soviel bedeutet wie: Richtung bestimmen und einfach mal machen. Die Richtung war schnell bestimmt. Es sollte in meine alte Heimat gehen, dem Pfinztal, und dieses als Umkehrpunkt nehmen. Somit wurde der nördlichste Punkt des durch Northwoodcycling kontrollierten Gebietes angefahren und inspiziert. Gleichzeitig konnte ich dieses Ereignis mit einer wichtigen privaten Angelegenheit verbinden - Perfekt!
Es ging also recht früh in den Sattel und ich war mir von der Tragweite dieser Unternehmung zu solch' früher Stunde noch nicht bewusst. Körperlich hatte ich mit vielen langen und lockeren Ausfahrten in den vergangenen Wochen den Grundstein für ein potentielles Gelingen gelegt. Auch gab es "Plan B"-Varianten, die mir ein unversehrtes Heimkommen trotz Widrigkeiten ermöglichen sollten. Der Funkkontakt in die Zentrale der Heimat gab ihr Weiteres für meine innere Sicherheit.
Ein großer Unsicherheitsfaktor war das Wetter, welches am Nachmittag umschlagen sollte mit Gewittern und Schauern. Doch ich lies es einfach auf mich zukommen und wollte dann reagieren. Um es gleich zu sagen: das Wetter hat wesentlich dazu beigetragen, dass diese Tour zu einem absolut besonderen und ereignisreichen Unterfangen wurde.
Zu Beginn war perfektes Radsportwetter, milde Morgentemperaturen, blauer Himmel, nicht zu heiß. Doch später zur Mittagsstunde herrschte fast unerträgliche Hitze im Pfinztal. Im Albtal bei Marxzell kam dann das erste, kleine Gewitter, welches aber noch keinen größeren Wetterumschwung mitbrachte. Kurz vor dem Langmartskopf dann der Temperatursturz von locker 10°C. Verglichen mit den Temperaturen vom Mittag gut und gerne 15°C. Zum Glück hatte ich meine schwere Regenjacke dabei und konnte mich so gegen die kühle Bergbrise schützen. Dann an der Grünhütte das zweite, mächtigerere Gewitter mit komplettem Wetterumschwung. Und dann die Heimfahrt bei typischem Schauerwetter mit Platzregen, Sonnenschein und einem letzten Gewitter bei der Einfahrt nach Freudenstadt.
Zuerst war ich betrübt, warum das Wetter nicht so schön bleiben konnte, doch dann, nachdem ich mich auf das Wetter eingelassen hatte, empfand ich eine seltsame Gelassenheit und sogar eine Art Verbundenheit. Ich war einfach Mittendrin, gehörte dazu, ohne der Bestimmer zu sein. Mußte abwarten, entscheiden. Zwei Mal war ich wegen des Wetters dem Abbruch nahe und einmal wegen physischer Grenzerfahrung. Doch gerade dieses Auf und Ab auf einer solch' langen Tour, die Tiefpunkte mit den darauffolgenden Höhenflügen, die plötzlich auftretende Schwäche, die überwunden werden kann und schon bald in nicht zu erwartender physischer und psychischer Stärke verwandelt wird, das macht ein solches Unterfangen aus!
Ein großes Plus gilt besonders meinem Material. Keine Scheuerstellen, keine Druckstellen, keine großen Verspannungen. Kein Materialschaden, kein Defekt, kein Versagen. Perfekte Radhose, perfekter Rucksack, perfektes Bike.
Irgendwie hat trotz (oder gerade wegen?) des heftigen Wetters alles gepasst. Danke für diesen ganz besonderen Tag!
Die Route ist einfach zu beschreiben:
Von Freudenstadt über den Mittelweg nach Besenfeld, dann ins Enztal hinab. Den Enztalradweg bis Rotenbach hinter der Eyachbrücke. Dort den recht steilen Aufstieg zur Schwanner Warte, am Waldrand entlang nach Conweiler, über Pfinzweiler, Ittersbach nach Langensteinbach. Dort das Bocksbachtal entlang über Mutschelbach nach Kleinsteinbach, wo das Pfinztal erreicht wird. Den dortigen Radweg über Söllingen, Berghausen, Grötzingen. Erstes Ziel erreicht. Dann weiter über Durlach nach Ettlingen, wo auf dem bekannten Graf-Rhena-Weg das Albtal genommen wird. In Herrenalb erfolgt dann der mühsame Aufstieg über den Langmartskopf zur Grünhütte und von dort den Mittelweg zurück nach Freudenstadt.
184km / 1970hm / 9:30 Fahrtzeit
