Endlich kam heute mal die Sonne durch und die Lust auf rattfahrn war wieder auferstanden. Diese breiig-zähen grauen Tage mit beissendem Ostwind haben jede Lust auf Outdooraktivitäten abgetötet. Endlich konnte nun also eine erste Bewegungsfahrt mit Hektor angegangen werden.
Endlich blauer Himmel und Hektor war nicht mehr zu halten!
Mit meinem Brother „Stadtrad“ von Goldsprint Berlin bin ich nach über einem Jahr Einsatz immer noch allerhöchst zufrieden. Ich hatte bisher noch kein so perfekt funktionierendes Ratt. Es ist die reine Freude, sich damit flink durch die Stadt und durch die Lande zu bewegen.
Nun hatte ich schon seit langer Zeit einen Traum: Wenn es doch nur möglich wäre, ein sportliches Ratt mit Riemenantrieb individuell von Goldsprint aufbauen zu lassen. Aber die Realität ließ das bisher nicht zu. Einen Rahmen hatte ich schon im Visier, der mir das Herz schneller schlagen lässt:
Kurzurlaub im November ist ja nicht sonderlich prickelnd, speziell der Witterung wegen. Kalt, naß, dunkel. Da kann man nur daheim schön mollig eingemummelt auf bessere Zeiten warten. Doch nicht so dieses Jahr. Ein bislang grandioser Herbst, und das bis in den November hinein, erquicket das Gemüt. Also ist kurzfristig ein Kurztrip angesagt. Am besten Italien, am besten mit einem Besuch in einem Bikeladen, besser noch, bei einem Rahmenbauer, verbunden.
An die erotische Ästhetik eines klassischen 1″ Schaftvorbaus kommt kein Aheadset ran. Heute werden bei (fast) allen Mountainbikes und Rennrädern Aheadsets verbaut. Nur noch ganz selten bekommt man Rennradrahmen mit klassischem Gewindeschaft und geklemmtem Vorbau. Meistens findet man diese in der Hipster-Nische der Bahnrahmen, gemacht für die Fixie- und Singlespeedgemeinde.
Seltene Aufnahme von Miguel Indurain, nach seiner aktiven Zeit, hier entdeckt auf dem Homburgpaß
Zum Thema Ratthos’ habe ich ein spezielles Verhältnis. Rennradfahrerisch groß geworden bin ich noch in schwarzen Wollhosen mit Hirschledereinsatz. An sich kein Problem, denn es gab nix anderes. Jeder musste so rumlaufen. Anfänger wie Vollprofi.
Für was braucht man bitte einen Steuersatz für 200 Euro? Geht’s noch?
Nun ja, es gibt keine ökonomisch rationalen Argumente dafür. Völliger Blödsinn. Und dann noch bei einem Rad, dessen Gabelschaft bisher um einen fast unverbrauchten, bestens funktionierenden FSA-Steuersatz rotierte und sowieso NIE mit unkontrollierten Wasserspritzern oder gar Schmutz in Berührung kommen wird. Aber es ist nun mal passiert.
Bildnachtrag:
Gesamtkonzept als Diskussionsgrundlage für farbliche Stilfragen
Auch heute gibt es noch Marken, die stehen für Beständigkeit und Qualität. Die Trikotagen von DeMarchi aus Italien gehören zu dieser Gattung. Seit 1946. DeMarchi begleitet seit Anfang an den italienischen Radsport und dessen Legenden. Heute gibt es zwar immer noch die „Heritage“-Linie, aus kratzender Merinowolle mit den Schriftzügen italienischer Sponsoren um die Brust, aber man bekommt auch aktuelle Fasern, fein gewebt, höchste Qualität. Nur sind diese sehr schwer zu bekommen.
Echte Männer mit Eisen aus Stahl…in DeMarchi Trikots (der linke dürfte bekannt sein) Quelle: DeMarchi
Irgendwann musste der Tag kommen. Meine alten und höchst bewährten Specialized Comp Radschuhe aus dem Pleistozän mussten einem jüngeren Platz machen. Ich selbst tu’ mich da verdammt schwer. Waren die alten doch meine treuen Begleiter auf den schönsten MTB-Touren meines Lebens, haben alles klaglos mitgemacht und ohne ernsthafte Blessuren überstanden. Aber ich habe verstanden: es gibt schöneres Fusskleid, welches besser am Fuß sitzt und nicht ausgelutscht am unteren Beinende baumelt. Besonders beim “hochästhetischen” Ausritt auf dem Mika Amaro oder Brother Allday. Auf dem MTB kommen weiterhin meine alten Specialized zum Zug.
Nun konnte ich schon einige Runden mit „Me Brother“ drehen und meine, schon ein kleines Zwischenfazit ziehen zu können.
Im Ursprungszustand hatte ich ja Schutzbleche dran, für den werktäglichen Einsatz. Jedoch hat es sich doch bewahrheitet, dass man am Rennradrahmen nicht wirklich Schutzbleche sinnvoll montieren kann. Zu geringer Abstand zwischen Reifen und Fender macht sich nervend bemerkbar, wenn Steinchen und sonstige Schmutzpartikel vom Reifen aufgenommen und durchgezogen werden. Und, obwohl es wirklich sehr schöne ihrer Art sind, können die Schutzbleche einfach nicht mein Gemüt dauerhaft beeindrucken. Weg damit. Und so bin ich ohne unterwegs. Wenn es regnet, lasse ich das Rad stehen. Es regnet zum Glück aber nicht oft. Mal sehen. Es gibt ja noch ein voll aufmunitioniertes Alltagsrad für den Notfall, der Vorgänger des Brother quasi. Jetzt gefällt mir das Rad ohne Kompromisse!